Hermann Simon
Jüdisches Berlin
Kultur-Karte, 3. Auflage

Jewish Culture Edition
Berlin Juni 2009
Leporello
ISBN: 9783935097093


Preis:  2,60   EUR

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Auf Spurensuche jüdischer Kultur in Berlin
Stadtplan führt zu den Stätten jüdischen Lebens

"Wenn Du nach Berlin reinkommst, gleich links." So erklärte der jüdische Maler Max Liebermann Gästen den Weg zu seinem Haus. Manch einer der potenziellen Besucher hätte sich nach einer solchen Beschreibung wohl einen Stadtplan zur genaueren Orientierung gewünscht. Heute ist das im Zweiten Weltkrieg zerstörte und inzwischen rekonstruierte Gebäude direkt am Brandenburger Tor nicht mehr zu verfehlen - zumindest für diejenigen, die mit der Karte "Jüdische Stätten in Berlin" ausgerüstet sind.

Hermann Simon, Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum, listet auf dem in Deutsch und Englisch erschienenen Plan sehr illustrativ mehr als 100 Orte jüdischen Lebens in Berlin auf. Zu sehen sind nicht nur wie auf Stadtplänen skizzierte Straßenzüge, sondern aus der Vogelperspektive auch die wichtigsten Gebäude der Stadt.
Mit knappen Worten erläutert Simon jede Stätte, so dass zugleich Teile der Historie zu erfahren sind. Insgesamt acht Synagogen, zahlreiche Museen und Gedenkstätten, mehr als ein Dutzend jüdischer Restaurants, Geschäfte, Banken und Buchläden und 17 Institutionen der Jüdischen Gemeinde werden auf diese Weise beschrieben. Zwei gesonderte Kartenausschnitte zeigen Ansichten der Jüdischen Friedhöfe Weißensee und Schönhauser Allee mit den Grabstellen berühmter Persönlichkeiten.
"Natürlich ersetzt der Plan keinen Reiseführer", weiß Herausgeber Elmar Balster, Verlagsleiter der Jüdischen Allgemeinen. In den vergangenen Jahren sei er von so vielen Menschen angesprochen worden, die eine solche Karte wünschten, dass man sich zu der Produktion entschlossen habe. 10 000 Stück beträgt die erste Auflage, die nach gut sechs Wochen schon fast ausverkauft ist. Das liegt nicht nur am mit 2,60 Euro günstigen Preis. "Der Plan ist ein Muss für diejenigen, die auf den Spuren des jüdischen Erbes sind", sagt Balster.
Hingewiesen werden die "Fährtensucher" sowoh1 auf berühmte Sehenswürdigkeiten wie die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße als auch auf ein unscheinbares Gebäude im Hüttenweg in Dahlem. Zu erfahren ist, dass die jüdischen Angehörigen der US-Army hier früher ihre Gottesdienste feierten und seit 1999 Mitglieder der Jüdischen Gemeinde die Tradition fortführen. Zu erfahren ist aber auch, wo beispielsweise der Dresdner Romanistikprofessor Victor Klemperer aufwuchs oder wo berühmte Journalisten wie Kurt Tucholsky oder Egon Erwin Kisch arbeiteten. Die Angabe der Adresse und des Planquadrats auf der Karte erleichtern das Finden.
Es ist die Mischung aus historischer und aktueller jüdischer Kultur, die die Karte so attraktiv macht. Wer sich für heutiges jüdisches Leben interessiert, kann unter anderem im Jüdischen Kulturverein Lesungen und Feste besuchen, wie die Karte verrät. Das Hackesche Hoftheater bietet täglich jiddische Theaterstücke und Klezmerkonzerte.
Diejenigen, die nach einem Rundgang zu den Stätten jüdischer Kultur hungrig sein sollten, können dann in die Arche Noah einkehren, dem einzigen Restaurant Berlins, in dem koschere Gerichte serviert werden.
Die jüdische Kultur-Karte ist auch in englischer Sprache erhältlich. Im Frühjahr 2003 ist ein ähnlicher Plan für Wien erscheinen.
von  Holger Mehlig
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